Nachruf
 
24. Jan 2020
VON: GEORG FAHRENSCHON

Helmut Geiger (* 12. Juni 1928, † 11. Januar 2020)

Am 11. Januar 2020 ist Dr. h.c. Helmut Geiger im Alter von 91 Jahren verstorben. Er war seit 1982 Mitglied der Ludwig-Erhard-Stiftung, von 1987 bis 1999 Mitglied im Vorstand. Am 7. Juni 2019 wurde er von der Mitgliederversammlung zum Ehrenmitglied der Stiftung ernannt. Lesen Sie einen Nachruf von Georg Fahrenschon, Mitglied der Ludwig-Erhard-Stiftung.

Die Ludwig-Erhard-Stiftung trauert um ihr langjähriges Mitglied Helmut Geiger. Der studierte Rechtswissenschaftler und Volkswirt und erste hauptamtliche Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV e.V.) war seit Anfang der 1980er Jahre Mitglied der Ludwig-Erhard-Stiftung und leitete als deren stellvertretender Vorsitzender von 1987 bis 1999 zwölf Jahre lang an der Seite der jeweiligen Vorsitzenden Karl Hohmann und Otto Schlecht die Geschicke der Stiftung.

Helmut Geiger war immer schon ein Mann der ruhigen Töne. Gleichwohl hat er sich in vielen Fragen erst ein eigenes Bild von der Lage gemacht, um dann beharrlich für seine Lösungsansätze und Ideen zu kämpfen. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Erlangen in seiner mittelfränkischen Heimat und dem Abschluss in Volkswirtschaftslehre legte er 1957 erfolgreich die zweite juristische Staatsprüfung ab. Der Weg des jungen Mannes führte geradewegs nach Bonn, wo er als Anwaltsassessor und wissenschaftlicher Assistent beim Deutschen Bundestag erste Spuren hinterließ.

Seine ganz besondere Gabe, komplexe internationale Zusammenhänge in der Finanz- und Weltwirtschaft über die abendlichen Hauptnachrichten im Fernsehen einem Millionenpublikum in einfachen nachvollziehbaren Worten darzulegen, brachte dem damaligen Sparkassenpräsidenten in den turbulenten Zeiten von Auf- und Abwertungen und in den Hochzinsphasen der 1970er und 1980er Jahre den Ehrentitel des „Sparerschützers“ ein. Ende der achtziger Jahre war er laut Umfragen mit Abstand der bekannteste und „besonders kompetente Repräsentant des deutschen Kreditgewerbes“.

Neben der Auseinandersetzung darüber, mit welchen passenden Bildern, stimmigen Erläuterungen und nachvollziehbaren Argumentationen man die weltweiten Zusammenhänge für ein breites Publikum sachgerecht aufbereiten kann, waren es aber gleichzeitig immer die realen Lebensumstände, die Helmut Geiger in den Mittelpunkt seiner Kommentare stellte. Er war davon überzeugt, dass für unsere Volkswirtschaft neben einem gedeihlichen Zusammenspiel von Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe es immer darum zu gehen hat, dass der oft zitierte „einfache Mann auf der Straße“ tatsächlich in die Lage versetzt ist, durch die Kraft der eigenen Leistung und die notwendige individuelle Befähigung zur freien Entfaltung – flankiert durch einen starken Staat, der den ordnungspolitischen Rahmen setzt und sich dabei auf das Wesentliche konzentriert – sein Leben und das Leben der eigenen Familie in die Hand zu nehmen und selbstverantwortlich zu gestalten.

Dieses Credo brachte er im Zusammenspiel zwischen dem deutschen Sparkassenwesen und den Konzepten Ludwig Erhards auch in die vielfältigen Diskussionen um strukturpolitische Entscheidungen nach der Deutschen Wiedervereinigung 1989/1990 ein. Noch bis ins hohe Alter von 91 Jahren begleitete er die Arbeit der Ludwig-Erhard-Stiftung; er war für Fragen und Einschätzungen zu aktuellen Themen jederzeit ansprechbar und nahm an den Sitzungen und Treffen in Berlin aktiv teil. Erst im Juni 2019 wurde Helmut Geiger wegen seines außerordentlichen Engagements durch die Mitgliederversammlung zum Ehrenmitglied der Stiftung ernannt.

 
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