„Fördern, Fordern, Freiheit“

Das Jahresheft „Wohlstand für Alle 2023“ der Ludwig-Erhard-Stiftung ist erschienen. Die Publikation, die an diesem Wochenende verschiedenen deutschen Sonntagszeitungen beigelegt wird und auch als E-Paper (https://holderstock-media.1kcloud.com/ep164e89c1a048f8/#0) jederzeit abrufbar ist, ist eine sachliche und engagierte Werbung für die Gedanken der Sozialen Marktwirtschaft. Die Print-Ausgabe kann unter info@ludwig-erhard-stiftung.de oder 0228/539880 bestellt werden.

„Fördern, Fordern, Freiheit“ – so haben wir das nun vorliegende und inzwischen siebte Heft aus unserer Reihe „Wohlstand für Alle“ betitelt. Wir in der Ludwig-Erhard-Stiftung, die 1967 von Ludwig Erhard als eine von Parteien und Verbänden unabhängige Institution gegründet wurde, meinen, dass sich mit diesem begrifflichen Dreiklang wesentliche Elemente der Sozialen Marktwirtschaft gut beschreiben lassen.

Eine spannende Publikation erscheint

Es ist wieder gelungen, viele kundige und spannende Autoren für die neue Ausgabe zu gewinnen. Bundesbankpräsident Dr. Joachim Nagel schreibt über die Erfolgsgeschichte der Nachkriegswährung von der D-Mark zum Euro, Prof. Achim Wambach PhD, Präsident des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, benennt die aktuellen Hausforderungen des Standorts Deutschland und Prof. Dr. Martin Werding, das Mitglied des Sachverständigenrates, schreibt über die wirtschaftlichen Konsequenzen einer älter werdenden Gesellschaft. Damit sind nur einige Beiträge aus dem spannenden Werk benannt.

„Fördern“ und „Fordern“ im diesjährigen Titel sind als sich ergänzende Komponenten in einer freiheitlichen Ordnung zu verstehen. Der handlungsfähige Staat, der seine Stärke vor allem durch eigene Zurückhaltung erlangt, fördert die Bürger, indem er ihnen die Freiheit lässt, ihre Lebensentwürfe entsprechend der individuellen Präferenzen zu verwirklichen. Zugleich hält er aber auch einen Nachteilsausgleich für die schwächeren Gesellschaftsmitglieder bereit. Spiegelbildlich bedeutet der freiheitliche Ansatz aber auch die an die Bürger gestellte Forderung, Leistungsbereitschaft zu zeigen und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, was wiederum der Gesellschaft als Ganzes zugutekommt.

75 Jahre ist es nun her, dass Ludwig Erhard im Juni 1948 durch die Freigabe vieler Preise die Marktwirtschaft in Gang gesetzt und die (Wieder-)Erlangung eines beachtlichen materiellen Wohlstands und sozialer Sicherheit möglich gemacht hat. Ein Grund zum Feiern – und doch heißt es: aufmerksam bleiben! Denn trotz der unmittelbar für jedermann erfahrbaren Erfolge und der erwiesenen Überlegenheit der Marktwirtschaft gegenüber planwirtschaftlichen Systemen, ist der Wettbewerb der Ordnungen wieder voll entbrannt. Auch bei uns im Land werden immer mehr bürokratische, zentral-planerische Elemente wesensfremd und die Freiheit des mündigen Bürgers beschränkend in die marktwirtschaftliche Ordnung gedrückt. Die Marktwirtschaft braucht daher Fürsprecher, die ihren Kritikern und Gegnern nicht Glaubenssätze, sondern Sachargumente entgegenhalten.

Ein spannendes Streitgespräch

Als besonders spannend betrachte ich in unserer neuen Publikation ein Streitgespräch zwischen dem wissenschaftlichen Leiter des Ludwig-Erhard-Forums für Wirtschaft und Gesellschaft in Berlin, Prof. Dr. Stefan Kolev und der Journalistin Ulrike Herrmann, die in ihrem Buch „Das Ende des Kapitalismus“ nicht weniger als die Halbierung unserer Wirtschaftskraft und damit verbunden die Einführung der Prinzipien der britischen Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg fordert. Sie lesen im Heft einen wirklich offenen und eindrucksvollen Schlagabtausch. So entfährt Frau Herrmann der schöne Zwischenruf mit Bezug auf ihren Counterpart: „So einen wie Sie hatte ich aber auch noch nicht…“ Also genau die kultivierte Kontroverse, die wir brauchen, um wieder um die Prinzipien zu ringen, anstatt oberflächliche Debatten zu führen.

Das Anliegen Ludwig Erhards mit seiner Sozialen Marktwirtschaft ging über die Umsetzung dessen, was gemeinhin als „Kapitalismus“ bezeichnet wird, hinaus. Die erste Säule seines Denkens lag in der Nutzbarmachung des individuellen Strebens nach Erfüllung der eigenen Wünsche und Präferenzen für die Allgemeinheit, was mit dem bis heute populären Slogan „Wohlstand für Alle“ in griffiger Weise zum Ausdruck kommt. Das Streben nach Eigennutz kommt — im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten — zugleich dem gesellschaftlichen Ganzen zugute, was die marktwirtschaftliche Konzeption zu einer Sozialen Marktwirtschaft werden lässt.

Im Erhard´schen Konzept ist zudem als zweite Säule grundsätzlich eine soziale Komponente zur Absicherung derjenigen mitbedacht, die beispielsweise alters- oder krankheitsbedingt nicht am Wettbewerb teilnehmen können. Wesentlich ist dabei allerdings die subsidiäre Ausgestaltung der sozialen Sicherung.

Ludwig Erhards Gedanken brauchen Unterstützer

In Erhards Worten bedeutet Subsidiarität in der Sozialpolitik, dass „der staatliche Zwangsschutz dort Halt zu machen hat, wo der Einzelne und seine Familie noch in der Lage sind, selbstverantwortlich und individuell Vorsorge zu treffen“. Jede Leistung des mit dem Geld der Bürger finanzierten Sozialsystems kann nur eine Hilfe zur Selbsthilfe und keine Vollkaskoversicherung sein. Andernfalls besteht Gefahr, dass Leistungsanreize und Eigenverantwortung abgewürgt und der Bürger zum „sozialen Untertan“ wird. Diese Diskussion finden wir in der aktuellen Frage des sogenannten Bürgergeldes ganz konkret wieder.

Unsere Publikation „Wohlstand für Alle“ ist als Anregung zum Dialog über die Frage, wie wir in diesen herausfordernden Zeiten unsere Wirtschaft organisieren wollen, gedacht. Zugleich ist sie ebenso wie dieser wöchentliche Kommentar auch immer eine Einladung zur Mitarbeit. Die Unterstützer Ludwig Erhards versammeln sich in einem Freundeskreis der Stiftung, zu dem ich auch Sie alle ganz herzlich einladen möchte (https://www.ludwig-erhard.de/die-stiftung/freundeskreis/).