Deutschland hat Zukunft – wenn wir wollen

Am 22. November verleiht der Bundespräsident den Deutschen Zukunftspreis. Dieser Preis wurde 1997 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog im Jahr seiner „Ruck-Rede“ gestiftet und wird alle zwei Jahre für herausragende technologische, technische oder ingenieurwissenschaftliche Innovationen verliehen. In unseren aktuellen Zeiten, in denen die Politik wenig optimistische Impulse aussendet und die Frage entsteht, wie wir aus all den Problemen wieder zu alter wirtschaftlicher Stärke kommen sollen, ist dieser Preis eine Chance für einen Lichtblick. Er sagt etwas über die Frage aus, ob wir noch Ideen haben, aus denen Produkte und Dienstleistungen werden können, die wir und der Weltmarkt brauchen. Und er sagt hoffentlich etwas aus über die Kreativität, unsere moderne Gesellschaft so umzuwandeln, dass Wohlstand und ökologische Verantwortung zu einem gemeinsamen Ziel verschmelzen. Ich möchte an die nominierten Preisträger anknüpfen, um zu zeigen, dass es gute Gründe für Hoffnung gibt – aber auch, dass dazu neben der Kreativität politischer Wille gebraucht wird.

Die kreativen Erfinder gibt es noch!

Unter den drei nominierten Preisträgern sind Entwickler von Siemens Healthineers. Sie haben „Magnetom Free“ erfunden, einen Magnetresonanztomographen (MRT), der viel schwächere Magnetfelder – mit etwa einem Drittel des normalen Wertes benötigt. Die Bilder sind etwas unschärfer, aber künstliche Intelligenz gleicht das aus, und das System schlägt auch Alarm, wenn bei einer eigentlich „nur“ orthopädischen Untersuchung ein Herzfehler festgestellt wird. Revolutionär ist das für die Technik so entscheidende Kühlsystem. Statt üblicherweise 1.500 Liter flüssigen Heliums benötigt es nur noch 0,7 Liter. Die einfachere Installation soll es ermöglichen, diese Technik auch in Entwicklungs- und Schwellenländer zu liefern und so nicht nur mehr Menschen bei uns zu helfen, sondern auch neue Märkte zu erschließen. Erste Geräte wurden, wie die FAZ berichtete, schon nach Angola, Indien und in den Jemen geliefert.

Ein anderer der drei Nominierten ist Airbus. Eigentlich forscht die Firma über die Abtrennung von CO2 in der Luft einer Raumstation. Die Methode lässt sich aber auch auf die Reinigung der Atmosphäre durch die Entnahme von CO2 übertragen. Und so weit haben die Forscher von Airbus die Technologie weiterentwickelt. Angesichts des nach wie vor globalen CO2-Ausstosses ist das eine beachtenswerte und zukunftsweisende technische Option. Bisher lehnen viele solche Techniken wegen Kosten von bis zu 1000 Euro je Tonne als unrealistisch ab. Die Airbus-Ingenieure wollen die Kosten langfristig auf 200 Euro je Tonne senken. Die über Ventilatoren angesaugte Luft durchströmt zunächst ein festes Harz aus einem Amin, also einer Verbindung aus Stickstoff, Wasserstoff und Kohlenstoff, die dem Ammoniak ähnelt. Das Harz wird später verflüssigt und der Kohlenstoff aufgefangen, er kann dann ebenso wie das Harz wiederverwendet werden. In Verbindung mit Wasserstoff kann so zum Beispiel klimaneutrales Flugbenzin hergestellt werden.

Passend dazu entwickelt der dritte Nominierte im Bunde, der Mittelständler Küppers, einen neuen Gasbrenner für Industriebetriebe, gebaut im 3D-Drucker, der den Verbrauch an Gas um weitere 10 Prozent reduziert und auch mit Wasserstoff betrieben werden kann. Der Verkauf ist wohl sehr gut gestartet.

Innovationen für unsere Klima- und unsere Wohlstandsprobleme

Natürlich sind das nur Beispiele. Sie allein lösen weder unsere Klima- noch unsere Wohlstandsprobleme. Aber diese Beispiele sind dennoch eine Botschaft. Die deutsche Industrie kann die Herausforderung sich verändernder Märkte annehmen und unter der Priorität des sparsamen Umgangs mit häufig regenerativ hergestellter Energie neue Lösungen präsentieren. Der zweite Hinweis ist, dass keines der Produkte Ergebnis staatlicher Planungsvisionen ist, sondern vielmehr – wie bei dem Weltraumprojekt, das auf der Erde nützlich sein könnte – Antwort auf Fragen, die am Anfang der Entwicklungsarbeit niemand gestellt hatte. Aber je mehr Geld aus der Grundlagenforschung oder auch mittels zu hoher Steuern aus den mittelständischen Unternehmen herausgenommen wird, um es durch den vermeintlich schlaueren Staat in gezielte staatliche Förderprogramme zu stecken, umso geringer werden die Chancen für die Schwarm-Kreativität. Auf genau deren Lösungen sind wir aber angewiesen.

Wir müssen den Erfindern Raum geben

Wer, aus welchen Gründen auch immer, diesem vermeintlich chaotischen, aber freiheitlichen Ansatz nicht folgt, zerstört Optionen zur Problemlösung und damit auch Chancen, den Wohlstand neu zu begründen. Das jedem im Augenblick gegenwärtige Beispiel einer solchen Verengung ist die Wärmepumpe, die gesetzlich maximal privilegiert wird. Eine sehr sparsame wasserstoffverträgliche Gastherme beispielsweise wird jedoch nicht weiter bedacht. Ähnliches gilt für die Produktion von Wasserstoff. Hier wird immer der teure und knappe Wasserstoff in Deutschland gesehen, aber die Möglichkeit der billigen Produktion im Ausland verworfen. Es gilt auch für das gesetzliche Verbot von CO2-Abspaltungen als Teil umweltfreundlicher Strategien, obwohl es wahrscheinlich notwendig und mit der Nutzung von CO2 als Rohstoff auch wirtschaftlich interessant sein kann.

Auch Kerntechnik verträgt kein Tabu

Es gilt übrigens auch für den radikalen Ausstieg aus der Kernenergie und der Weiterentwicklung der damit zusammenhängenden Techniken. Bei den Ideen für moderne und sichere kleine Kernkraftwerke sind wir außen vor. Gleichzeitig sind wir mit unserem Ausstieg einsame Irrlichter in falscher Richtung auf der Einbahnstraße. Selbst bei der Kernfusion, wo zwei der wichtigsten innovativen Start-Ups aus Deutschland kommen, droht die mangelnde Offenheit die Unternehmen zurückzuwerfen oder gar nach Amerika zu vertreiben. Auch eine ehrliche Antwort auf die Frage, warum die Krebsforschung von BioNTech nach England auswandert, endet in der Umständlichkeit von Forschungsförderung und mangelnder Offenheit für die Biotechnologie.

Dies ist nicht der erste Beitrag in den Kommentaren der Ludwig-Erhard-Stiftung über innovative Ideen der deutschen Unternehmen. Ich versuche immer wieder, solche Ideen zu präsentieren. Manche mögen sich noch an Beispiele wie etwa die stromproduzierende Folie, mit der man Fenster und Autos bekleben kann, erinnern. Nicht vergessen sollten wir auch die Initiative der Schwarz-Stiftung, die mit einem Zentrum für Forschung und Anwendung von künstlicher Intelligenz Deutschland zu einem großen Sprung verhelfen könnte. Wer mit offenen Augen nach solchen Beispielen Ausschau hält, sieht trotz aller Probleme viele davon. Sie sind der Grund, warum sowohl das Ziel Wohlstand für Alle als auch das Ziel ökologisch verantwortlichen Wirtschaftens selbstverständlich erreichbar sind. Aber dann reden wir über mehr Kapital für Start-Ups, über mehr Forschungsförderung im Steuerrecht, über größere Offenheit der Gesetzgebung für die Genehmigung alternativer technischer Lösungen und ein Ende einer Politik des Mikro-Regulierens.