Kommentar
Wolfgang Ockenfels 70 Jahre
25. Jan 2017
VON: PHILIP PLICKERT

Wolfgang Ockenfels 70 Jahre

Er gehört zu einer seltenen Spezies von Intellektuellen, gerade in der Kirche: einerseits katholischer Konservativer und andererseits überzeugter Fürsprecher der Marktwirtschaft. Der Sozialethiker Wolfgang Ockenfels hat stets für jene Interpretation der katholischen Soziallehre geworben, die für die Marktwirtschaft, das Unternehmertum und die Eigeninitiative steht. Gegen die kirchlichen Stimmen, die routiniert den Kapitalismus anklagen, setzt der Dominikanerpater Ockenfels, der an der Universität Trier als Professor lehrt und auch als Journalist gearbeitet hat, einen Kontrapunkt. Er findet, dass die Prinzipien Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohl der katholischen Soziallehre in einer Sozialen Marktwirtschaft, wie sie ihre Gründerväter 1949 in Deutschland wünschten, verwirklicht werden können. Allerdings sei die Soziale Marktwirtschaft pervertiert worden, meint Ockenfels, der Mitglied der Ludwig-Erhard-Stiftung ist. Das Prinzip der Verantwortung werde durch staatliche Rettungen für Banken untergraben, das Soziale überdehnt und die Solidarität durch Schuldenmachen auf Kosten kommender Generationen verletzt. Die Finanzkrise sieht er im Kern als Moralkrise. Die Freiheit des Westens habe sich so weit von ihren ethischen Fundamenten gelöst, dass sie in ihrer Maßlosigkeit destruktiv geworden sei.

Geboren wurde Ockenfels 1947 nahe Bonn. Seit einem Vierteljahrhundert ist er Chefredakteur der Zeitschrift „Die Neue Ordnung“, er ist geistlicher Berater des Bundes Katholischer Unternehmer, zudem leitet er das Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg, als Nachfolger des legendären Pater Basilius Streithofen. Das CDU-Mitglied Ockenfels hadert schon länger mit seiner Partei, der er unter ihrer Vorsitzenden Merkel eine inhaltliche Entkernung vorwirft. Am Mittwoch feiert Ockenfels, der gutem Wein und Zigarren nicht abgeneigt ist, seinen 70. Geburtstag.

Der vorliegende Beitrag erschien zuerst in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 24. Januar 2017 (© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv).

 
KOMMENTAR SCHREIBEN

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *
Sie können folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

KOMMENTARE
M. Herzhoff
von: M. Herzhoff

2006 erschien von Wolfgang Ockenfels das Buch "10 Gebote für die Wirtschaft", in dem er die Bedeutung der 10 Gebote für die Wirtschaft herausstellt.

Es gibt einen französischen Sozialwissenschaftler, der bereits 1870 für eine Rückbesinnung auf den Dekalog warb: Frédéric Le Play. Er ist in Deutschland wenig bekannt. Jetzt ist ein Buch über ihn in deutscher Sprache erschienen, mit Auszügen aus seinem Buch "Organisation der Arbeit" :

http://www.buecher.de/shop/fernsehen/frdric-le-play/herzhoff-martin-hess-remi-weigand-gabriele-rabineau-camille/products_products/detail/prod_id/46459469/