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Eine Fuldataler Kaserne: Historische Erinnerungsstätte für die Währungsreform 1948
20. Jul 2017
VON: GASTAUTOR

Eine Fuldataler Kaserne: Historische Erinnerungsstätte für die Währungsreform 1948

Edward A. Tenenbaum – so schrieb Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt 1987 in seinem Buch „Menschen und Mächte“ – verdiene ein Denkmal in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Ein Denkmal wurde für den US-amerikanischen Offizier und Ökonomen nicht errichtet, aber die Gemeinde Fuldatal, unweit von Kassel, hat eine Straße nach ihm benannt. Sie führt direkt zum „Haus Posen“, wo die Grundlagen der Währungsreform 1948 erarbeitet wurden und in dem sich heute ein Museum befindet.

Als die bei den alliierten Kriegskonferenzen und schließlich der Potsdamer Konferenz von 1945 vereinbarten Regelungen zur Behandlung Deutschlands mehr und mehr zerbrachen, die Spannungen zwischen den Ost- und Westmächten ständig zunahmen und der Alliierte Kontrollrat in Berlin eine Einheitlichkeit nicht mehr herstellen konnte, traten die krassen Gegensätze bei der Verwaltung des deutschen Gebietes in den Besatzungszonen immer mehr zutage. Während sich verwaltungspolitisch die Situation durch Bildung der Länder, durch Wahlen auf kommunaler und Länder-Ebene sowie durch legitimierte Regierungen beruhigte, erwuchsen durch die desolate wirtschaftliche Lage permanent wachsende Probleme.

„Haus Posen“: Den früheren Kasernenblock des Fliegerhorstes Rothwesten nutzten die Amerikaner für die Abgeschiedenheit des „Konklaves von Rothwesten“.

Die Reichsmark von 1924 hatte jegliche Akzeptanz verloren. Die Dinge des täglichen Bedarfs konnten nur über Lebensmittel-, Kleider- und sonstige Versorgungskarten erworben werden. Urständ feierte der Schwarzmarkt mit seinen kaum beherrschbaren Gesetzlosigkeiten und Gewalttätigkeiten. Große Teile der verarmenden deutschen Bevölkerung brachten sich mit Tausch und „Hamstern“ durch. Die Lebensmittelversorgung sank auf rund 25 Prozent der Produktion von 1935. Der harte Winter 1946/47 wurde zum schrecklichen „Hungerwinter“ mit zahllosen Toten.

Währungsreform – aber wie?

Durch die wirtschaftliche Zusammenlegung ihrer beiden Besatzungszonen zur „Bizone“ am 1. Januar 1947 versuchten die Amerikaner und die Briten, eine Verbesserung von Versorgung und Güteraustausch herbeizuführen. Die Bildung der „Sonderstelle Geld und Kredit“ in Bad Homburg, gelegen in der US-Zone, sollte den ohnehin bescheidenen Finanzverkehr regeln. Eine Reform der Finanzen durch eine Währungsreform musste her. Das wusste man auch im Alliierten Kontrollrat in Berlin – und man begann, sich alsbald mit den Sowjets darüber zu streiten.

Bereits am 20. Mai 1946 war ein amerikanischer Währungsreform-Plan, entwickelt von den amerikanischen Professoren Gerhard Colm, Joseph Morrell Dodge und Raymond W. Goldsmith, im US-Hauptquartier von General Lucius D. Clay vorgelegt worden. In der „Sonderstelle Geld und Kredit“, deren Leiter zunächst Ludwig Erhard war, wurde der „Homburger Plan“ als deutsche Planungsvariante für eine Währungsreform für den Bereich aller Besatzungszonen entworfen.

Im Kontrollrat stritt man alsbald über den Ort für das Drucken der Geldnoten. Die Sowjets wollten dies in den ehemaligen Reichsbank-Druckereien von Berlin und Leipzig geschehen wissen. Die schlechten Erfahrungen, die die Amerikaner bei der Herausgabe der alliierten Militär-Mark 1944/45 mit dem Verhalten der Sowjets gemacht hatten, ließen sie jedoch auf andere Wege sinnen.

Bei seiner legendären Rede vom 5. Juni 1947 an der Harvard-Universität kündigte der amerikanische Außenminister George Marshall die Bereitstellung eines umfangreichen Unterstützungs-Fonds in Höhe von rund 14 Milliarden US-Dollar für alle europäischen Staaten an, die durch den Krieg und seine Folgen betroffen waren. Westdeutschland wurden davon insgesamt rund 1,4 Milliarden US-Dollar zugeteilt. Doch herrschte in den Besatzungszonen ein Währungsdebakel.

Das Konklave von Rothwesten

Bei den Amerikanern wurden jedoch längst Vorbereitungen getroffen, für die westlichen Zonen eine eigene Währung herbeizuführen. Zur Schlüsselfigur wurde dabei Edward A. Tenenbaum, 26 Jahre alt, Reserveoffizier der US-Airforce, ein hochbegabter Volkswirtschaftler, der fünf Sprachen beherrschte und eine sechste gerade lernte: Russisch. Tenenbaum war seit Vorlage seiner Diplom-Arbeit beim Studienabschluss USA-weit bekannt geworden als Experte für europäische, besonders aber für deutsche Wirtschaft. Ihn schickte die amerikanische Regierung als „Special Assistant“ in den Stab von Militärgouverneur General Lucius D. Clay, wo er alsbald für die Vorbereitungen, Planungen und Durchführung einer Währungsreform verantwortlich zeichnete. Seine Intention war, dass künftige Währungsgesetze für Deutschland von Deutschen in deutscher Sprache und Denkweise verfasst werden sollten. Dazu bedurfte es geeigneter Fachleute, die Tenenbaum aus dem Umfeld der „Sonderstelle Geld und Kredit“ kennengelernt hatte.

Also ließ der US-Ökonom elf Experten, darunter eine Frau, aus der westdeutschen Wirtschafts- und Finanzszene am 20. April 1948 nach Bad Homburg einladen. Ludwig Erhard weilte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Bad Homburg. Er war am 2. März 1948 Direktor der Wirtschaftsverwaltung der Bizone geworden. Die Experten wurden mit einem Bus an einen ihnen unbekannten Ort verbracht, zusammen mit einigen weiteren Personen: weibliche Schreibkräfte, Dolmetscher, ein Koch-Ehepaar und gar ein Frisör. Die Blicke aus dem Omnibus waren versperrt, die Scheiben stellten sich als „blind“ präpariert heraus, zum Fahrer war eine Plane gespannt. Die Fahrt ging ins Ungewisse.

Original-Konferenztisch, auf dem die Konterfeis der elf Teilnehmer des „Konklaves“ aufgestellt sind. Vor Kopf: Edward A. Tenenbaum.

Ein beauftragter Projekt-Offizier, US-Colonel Emory D. Stoker, hatte zuvor im Besatzungsgebiet der Amerikaner die abgelegene ehemalige Fliegerhorst-Kaserne bei Rothwesten, nördlich von Kassel, für die geheime – von den Amerikanern als „Konklave“ bezeichneten – Aktion ausfindig gemacht. Die Kaserne war 1934 im Rahmen einer Wiederaufrüstung des Deutschen Reiches unter NS-Herrschaft errichtet und bei Kriegsende von alliierten US-Truppen weitgehend unzerstört übernommen worden. Die großflächige Kasernenanlage mit damals noch befliegbarem Flugfeld in Abseitslage – der Block „Posen“ in Hanglage ganz an der letzten Kasernenecke gelegen – schien geeignet. Der Block wurde mit einem zusätzlichen Zaun mit Stacheldraht umgeben, ein doppelflügeliges Holztor gewährte die Zufahrt, bewaffnete US- Militärpolizisten sicherten Zaun und Gebäude, Schilder mit englischer und deutscher Aufschrift „Auf Zaunkletterer wird geschossen“ warnten vor einem Schusswaffengebrauch. Der ständige Wachbefehl enthielt ausdrücklich auch den Schießbefehl.

Das Leben im Konklave

Die Fahrt im Scheiben-blinden Bus führte auf der Autobahn nordwärts bis zur Ausfahrt Kassel-Heiligenrode, durch die Stadt Kassel nördlich ins Schocketal, dann bergauf zur Kaserne und endete nach rund drei Stunden innerhalb der Zaunanlage vor dem Kasernenblock „Posen“. Die Insassen wussten nicht, wo sie waren, und das blieb auch so bis zum Ende der Aktion am 8. Juni. Im Haus fand man Unterkunft in einfachen Soldaten-Stuben, einzeln belegt zwar, aber: ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch, ein Spind, eine Lampe; sanitäre Gemeinschaftsräume am Ende des Flurs, eine Duschanlage im Keller – der Charme einer Kasernen-Unterkunft, kein Homburger Vier-Sterne-Hotel.

Colonel Stoker hatte ein vorzügliches Abendessen vorbereiten lassen. In den Memoiren ist die Rede von wohlschmeckenden Schnitzeln, von gutem Riesling vom Rhein – aber auch von Beschwerden nach den buttergebratenen Leckereien. Ein Teilnehmer berichtet, erstmals im Leben eine frische Ananas gesehen und verzehrt zu haben. Der gute französische Cognac fand ebenso das Lob wie die reichlich vorhandenen amerikanischen Zigaretten. Auch kubanische Zigarren wurden gereicht.

Das „Konklave“, begrifflich entlehnt dem Vatikan bei Papst-Wahlen, war in Wirklichkeit nichts anderes als eine Zwangsverpflichtung und eine Art Internierung. Ein Teil der Teilnehmer formulierten alsbald einen heftigen Protest bei der Militärregierung, der jedoch nichts bewirkte. Unter Edward Tenenbaums Anleitung formulierten die Sachverständigen während der folgenden Wochen in deutscher Sprache die Gesetze und Durchführungsanweisungen für die Einführung des neuen Geldes. Auch der Name der neuen Währung geht auf Tenenbaum zurück. Drei bis vier Mal pro Woche flog Tenenbaum, Uniform tragender Reserveoffizier, per Militärmaschine vom hauseigenen Fliegerhorst nach Frankfurt, London oder Paris, um dort die Ergebnisse mit den alliierten Behörden abzustimmen. In den teils heftigen, gar zornigen Debatten waren die unterschiedlichen Auffassungen des amerikanischen Colm-Dodge-Goldsmith-Plans von 1946 und des Homburger Plans von 1947 gegeneinander abzustimmen.

Die Konklave-Teilnehmer durften nicht telefonieren, wohl aber schreiben. Die Briefe wurden zensiert, Angaben über den Aufenthaltsort und die Tätigkeiten waren verboten. Täglich fuhr ein Kurier nach Bad Homburg, gab dort im Postamt die mitgebrachten Briefe auf, sie wurden mit „Bad Homburg“ gestempelt. Ankommende Post lief bei der „Sonderstelle Geld und Kredit“ ein und wurde von dort dann an den „geheimen Ort“ gebracht. In der von den Amerikanern genutzten Fliegerhorst-Kaserne war verbreitet worden, dass hinter dem bewachten Zaun im Block „Posen“ etliche mittlerweile als „schwer belastet“ aufgespürte Nazi-Verbrecher inhaftiert seien, die auf ihren Prozess warteten. Somit mieden die Soldaten die unliebsamen Einquartierungen – ein weiterer Baustein der Geheimhaltung, der funktionierte.

Neue Währung D-Mark

Am 8. Juni 1948 war es dann soweit: Gesetze, Durchführungsanweisungen usw. waren in deutscher Sprache sachgerecht und rechtssicher abgefasst. Die deutschen Sachverständigen wurden wieder nach Bad Homburg verbracht und dort entlassen. Bis auf Weiteres sollten sie Stillschweigen bewahren. In einer Denkschrift distanzierten sich die Experten später von den Inhalten der neuen Regelungen, da die deutschen Vorstellungen zu wenig Beachtung gefunden hätten.

Edward A. Tenenbaum sorgte für die Abwicklung und die Vorbereitung der Verkündung der Ausgabe einer neuen Währung. Am 18. Juni 1948 schließlich, an einem Freitag, kündigten die deutschen Rundfunkanstalten den Tag über für 18 Uhr eine Verlautbarung der alliierten Militärbefehlshaber an. Dann kam die Rundfunkmeldung: Ab Montag, 21. Juni 1948 sollte in den Westzonen nur noch die neue Währung D-Mark (DM), bestehend aus 100 Pfennigen, gelten. Das neue Geld, 40 DM pro Kopf, 20 DM folgten einen Monat später, war zu empfangen gegen Abgabe entsprechender Reichsmark in den Ausgabestellen für die Lebensmittelkarten. Nur dort wusste man genau, wie viele Einwohner im Stadtteil oder Dorf tatsächlich lebten. Waren doch in den vergangenen Monaten Hunderttausende Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten in die Besatzungszonen gekommen, und die Zahl änderte sich ständig.

Zu den Original-Exponaten gehört eine von 23.000 Holzkisten, in denen die in den USA gedruckten Banknoten nach Deutschland transportiert wurden.

Während man sich bis zum endgültigen Bruch am 20. März 1948 im Berliner Kontrollrat über Modalitäten für eine Währungsreform und den Ort des Notendrucks zerstritt, lagerten die neuen D-Mark-Banknoten längst in Frankfurt am Main in den Tresoren der früheren Reichsbank. An mehreren Orten in den USA war das Geld bereits in der zweiten Jahreshälfte 1947 auf Veranlassung Tenenbaums gedruckt und dann in rund 23.000 Holzkisten mit fünf Schiffen nach Bremerhaven, der US-Enklave in der britischen Zone, verschifft worden. In Eisenbahnzügen, dann US-Militär-Lastern erfolgte der Transport nach Frankfurt am Main, alles „streng geheim“. Auf den Kisten stand eingebrannt zu lesen „Doorknobs“, Türgriffe, und so nahm niemand Anstoß an den schweren Kisten. Verdacht hatte zwar eine Ost-Berliner Zeitung gewittert, eine offizielle Reaktion blieb jedoch aus. Über die existierenden Landesbanken wurden die Geldkisten dann zeitgerecht an die Ausgabestellen verbracht. Tenenbaum bezeichnete später die Aktion „Bird dog“ als die größte logistische Leistung der US-Armee seit der Landung in der Normandie.

Am Tage nach der ersten Geldausgabe waren plötzlich Schaufenster und Läden voll von all den Waren, die in den Wochen und Monaten zuvor nicht mehr zu erhalten waren. Als Antwort auf das „Husarenstück“ der Amerikaner unter Anleitung Edward Tenenbaums hatte Ludwig Erhard, den man nicht in die Vorgänge des „Konklaves von Rothwesten“ einbezogen hatte, prompt reagiert. Als er von den Ergebnissen erfuhr, hob er unverzüglich die Lohnbindungen und die Preisbindungen von 1936 sowie die Zwangsverwaltung wichtiger Wirtschaftsgüter auf. Die Alliierten reagierten empört auf diese Eigenmächtigkeit und bestellten ihn ein „zum Rapport“.

Die spätere Entwicklung gab Ludwig Erhard Recht. Sein Handeln wurde der erste Schritt in die „freie Marktwirtschaft“ der späteren Bundesrepublik Deutschland. Währungsreform und Erhardsche Wirtschaftsreform „fusionierten“ alsbald zum Weg in die Zeit, die man in den 1950er Jahren als das „deutsche Wirtschaftswunder“ bezeichnete. Edward A. Tenenbaum, der 1975 bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, wurde 2008 im Titel der Wochenzeitung Die Zeit zum „Ziehvater der D-Mark“ erklärt.

Museum Währungsreform 1948

Die Vorgänge in Rothwesten gerieten alsbald in Vergessenheit. Andere politische Gegebenheiten wie die permanenten Spannungen zwischen den West- und den Ostalliierten durch die Berlin-Blockade beherrschten die Schlagzeilen. Bis 1971 nutzte die US-Army die ehemalige Fliegerhorst-Kaserne, dann zogen Truppen der Bundeswehr ein. Im Kasernement fanden sich Ehemalige des Fliegerhorstes in einer Fliegerkameradschaft zusammen. Vorsitzender der Fliegerkameradschaft war Alfons Kössinger, von 1935 bis Kriegsbeginn als Fliegeroffizier in Rothwesten stationiert. Man beschloss, die Geschichte der Kaserne aufzuarbeiten und fand bald heraus, dass 1948 das „Konklave“ in eben dieser Kaserne stattgefunden hatte. Die Nachforschungen brachten Erstaunliches zutage. Die Deutsche Bundesbank half mit zahlreichen Informationen, Dokumenten und Fotos. Große Unterstützung leistete die Bundeswehr als „Hausherr“ der Kasernen-Anlage, die inzwischen den Namen „Fritz-Erler-Kaserne“ trug.

Mit einer Erinnerungstafel am Kasernenblock begann im Jahr 1988 der Museumsaufbau.

In einem feierlichen Akt wurde am 19. Juni 1988 – 40 Jahre D-Mark waren zu begehen – am „Haus Posen“, dem seinerzeitigen Kasernen-Block, eine Erinnerungstafel angebracht. Eine in diesem Rahmen zusammengetragene kleine Ausstellung wurde einige Zeit später zu einer Dauerausstellung, eingerichtet in zwei Räumen des seinerzeitigen Offiziersheims. Die feierliche Eröffnung fand am 18. Juni 1993 statt, 45 Jahre nach dem „Konklave“. Dann kam das „Haus Posen“ direkt ins Gespräch. Der Kasernenkommandant ließ die Dauerausstellung ins Dachgeschoss des historisch authentischen Kasernenblocks verlegen. Mit einem Festakt im November 1994 wurde das kleine Museum mit Ehrengästen aus den USA feierlich eröffnet. Im Jahr 1998 begrüßte man den 10.000sten Besucher. Zu einem Höhepunkt geriet am 15. Juni 1998 ein Festakt anlässlich des 50. Jahrestages des „Konklaves“ und damit der D-Mark in den Liegenschaften der „Fritz-Erler-Kaserne“ mit zahlreichen Gästen aus Finanzwirtschaft, Politik, Bundeswehr und wieder aus den Vereinigten Staaten. Die Festrede hielt der damalige Präsident der Deutschen Bundesbank, Prof. Dr. Hans Tietmeyer. Gleichzeitig wurde das inzwischen erweiterte Museum in Betrieb genommen. Bereits ein Jahr danach konnte der 15.000ste Besucher geehrt werden.

Das Museum gibt im Dachgeschoss des „Hauses Posen“, also dort, wo die Teilnehmer des „Konklaves“ die Grundlagen der Währungsreform erarbeiteten, einen Überblick über die Entwicklung des Geldwesens im Deutschland der Nachkriegszeit. Die Ausstellung informiert über die Hintergründe für eine nötige Reform und die Vorgänge des „Konklave“, beschreibt die Entwicklung vom alten Geld über die alliierte Militär-Mark bis hin zum neuen Geld in seinen Ausgabe-Stufen, die Regelung des Ausgabe-Verfahrens einschließlich der Umstellungsregelungen und verweist auf die Entwicklungen hin zum „Wirtschaftswunder“. Weitere Teile der Ausstellung widmen sich der 1948 hastig vollzogenen Währungsreform in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone, der Währungsunion anlässlich der Wiedervereinigung im Jahr 1990 und schließlich der Einführung des Euro. Neben zahlreichen Banknoten sowie diversen Lebensmittel- und Versorgungskarten gehören zu den markanten Original-Exponaten der seinerzeitige Konferenz-Tisch, eine der 23.000 Holzkisten, mit denen die frisch gedruckten Banknoten der D-Mark aus Amerika verbracht wurden, der ausgehängte Wachbefehl für die Wachtposten der US-Militärpolizei mit dem Schießbefehl und eine Gesetzessammlung der Bank deutscher Länder mit den Währungsgesetzen und Durchführungsverordnungen.

Rettung des Museums

Mit dem Abschied von der D-Mark und der Einführung des Euro ließ das Interesse der Deutschen Bundesbank als Unterstützer des Museums nach. Als sich 2007 die Bundeswehr aus der Kasernenanlage dauerhaft zurückzog, wurde das Areal zum allgemeinen Kauf angeboten. Für das „Haus Posen“ und das Museum Währungsreform 1948 gab es keine erkennbare Zukunft. Das ehemalige Kasernengelände wurde der Konversion zugeführt. Am 31. März 2011 kam es dann zur Gründung des „Vereins Museum Währungsreform 1948 e.V.“. Bernd Niesel, inzwischen Leiter des Museums und Nachfolger Alfons Kössingers, wurde 1. Vorsitzender und der Verein wenig später als förderungswürdig anerkannt. Die Bundesanstalt für Immobilien-Angelegenheiten (BIMA) war nach langen Verhandlungen bereit, dem Verein das „Haus Posen“ zu überlassen – für einen Symbol-Preis von einer D-Mark. Ein örtlicher Notar besiegelte im Februar 2013 die Übertragung. Die Urkunde wurde am Original-Konferenztisch des „Konklaves“ im „Haus Posen“ unterzeichnet.

Im Rahmen der Konversion wurde von der Gemeinde Fuldatal ein eigener Bebauungsplan aufgestellt, der das Gebäude des Museumsvereins in die Erschließung mitnahm: Eine neue Straßenzuführung, Straßenbeleuchtung, eine Trinkwasserleitung und eine Gasversorgung wurden geschaffen. Im Obergeschoss wurde ein Museums-Café eingerichtet. Das Gelände wird inzwischen von einer öffentlichen Buslinie befahren. Regelmäßige Öffnungszeiten mit Führungen bieten Gelegenheit, an den spannenden historischen Vorgängen vom Frühsommer 1948 teilzuhaben. Im Juni 2016 wurde der 40.000ste Besucher begrüßt. „Geschichte konkret erleben“ – dies ist der Tenor vieler Eintragungen von Besuchern ins Gästebuch.

Der Autor des Beitrags Hans-Hermann Trost ist Stud.Dir. i.R. und Moderator im Museum.


Öffnungszeiten des Museums:
Jeden ersten Samstag im Monat (außer an Feiertagen), 13 bis 17 Uhr. Das kleine Museums-Café im nostalgischen Stil öffnet ebenso.

Besuchergruppen können einen individuellen Termin für eine Führung vereinbaren (Bernd Niesel, Museumsleitung, Telefon 0561-82 02 442).
Ab 15 Teilnehmern wird auf Wunsch das Café geöffnet.

Der Eintritt ist frei. Eine Spende zur Erhaltung von Ausstellung und Gebäude ist erwünscht.

Adresse: Haus Posen, Edward-Tenenbaum-Str. 1, Fritz-Erler-Anlage , 34233 Fuldatal

 
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